Unser Schiff: die M/S Swiss Crystal


Mit dem Literaturschiff auf der Donau - eine Fluss-Kreuzfahrt der besonderen Art

1. bis 10. Oktober 2018

Es hatte alles bei einem Nachtessen in Zürich angefangen: "Wieso organisieren wir nicht eine Literaturreise auf der Donau?" Eine gute Idee, fanden die Anwesenden. Inzwischen ist aus dieser guten
 Idee ein grossartiges Projekt entstanden. Während zehn Tagen wird die exklusiv gecharterte Swiss Crystal in ein Kleintheater umgewandelt, das sich intensiv mit der Literatur, Musik, Geschichte und Gegenwart von Ungarn, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, der Slowakei und Österreich auseinandersetzt.

 Auch in der Form ist Vielfalt angesagt: Theateraufführungen, Lesungen,
Konzerte und Diskussionen wechseln sich ab, während draussen die herrlichen Donaulandschaften vorbeiziehen. Dazwischen gibt es literarische Landgänge mit überraschenden Begegnungen und viel Freizeit, auf dem Schiff wie an Land. Entdecken Sie mit uns die Vorzüge der Langsamkeit.



Eine Bemerkung zur Swiss Crystal: Sie ist ein komfortables und gemütliches Schiff und hat eine sehr angenehme Crew. Es ist aber kein Schiff der Super-Luxus-Klasse (für Interessierte: Es gibt 
auf dem Sonnendeck sehr wohl einen Whirlpool und auf dem Unterdeck eine Sauna). Für uns stand bei der Wahl des Schiffes aber das Programm im Vordergrund. Die Frage war, kann man das Schiff in ein Kleintheater umwandeln? Nur die Swiss Crystal erfüllte sowohl auf dem teilweise überdachten Deck wie im grossen Salon die Voraussetzungen dazu. Die im Dezember des vergangenen Jahres aufgetretene Havarie aufgrund eines Lotsenfehlers
hat die Reederei übrigens zum Anlass genommen, das Schiff einer Generalüberholung zu unterziehen. Wir sind überzeugt, mit der Swiss Crystal die richtige Wahl getroffen zu haben.


Preis: CHF 5.390.– (Es sind noch Kabinen auf dem Unterdeck frei. Wie auf dem Oberdeck verfügen diese komfortablen Doppelkabinen über ein grosses Fenster und über eigenes WC & Dusche). Es gibt auf diesem Schiff übrigens keinen Aufpreis für die Einzelbenutzung einer Kabine.

Inbegriffen sind: die Flüge Zürich-Budapest und Wien-Zürich, Vollpension an Bord sowie während der Landgänge, alkoholische Getränke bei den Mittag- und Abendessen, das ausgedehnte literarische und musikalische Programm, sämtliche Ausflüge.

Nicht inbegriffen sind die obligaten Trinkgelder für die Besatzung.


Status dieser Reise: nur noch 5 freie Plätze !


Detailliertes Programm


Montag 1. Oktober 2018

12.15 Abflug in Zürich mit LX 2254.

13.55 Ankunft Budapest, anschliessend Transfer per Bus zur “Swiss Crystal”.
         Unterwegs kurze Einführung in den Gebrauch der persönlichen Audio-Hilfe.
         Zur Einstimmung liest Katharina von Schoenaich aus Bodo Kirchhoffs
         “Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt”.

16.00 Einschiffung, Bezug der Kabinen

17.00 Begrüssung im “grossen Salon” auf dem Hauptdeck, wo ein Kleintheater eingerichtet
         wurde. Vorstellung des Donau-Teams, anschliessend Begrüssungsapéro.
         Die Musikerinnen und Musiker - Helga Váradi, Sira Eigenheim, Mátyás Mézes und
         Srdjan Vukasinovic - stellen sich und ihre Instrumente vor. Zum Schluss liest
         Katharina Kilchenmann einen höchst passenden Text...

18.15 Abendessen

19.45 Das Schiff legt ab. Gelegenheit auf dem Sonnendeck (mit oder auch ohne Sonne!)
         Budapest an sich vorbeiziehen zu lassen. Pit Klein liest den Text “2 Telegramme” von
         Claudio Magris.

20.30 Abendvorstellung in unserem Kleintheater, heute Abend mit einer szenischen Lesung
         von Graziella Rossi und Helmut Vogel zum bemerkenswerten Leben der ungarischen
         Geigerin Stefi Geyer, die in der Schweiz zu einer der berühmtesten Solistinnen aufstieg.
         Mátyás Mézes spielt auf seiner Violine musikalische Variationen zum Thema und die
         Cembalistin und Organistin Helga Váradi berichtet im Anschluß kurz über ihre
         Nachforschungen in den Archiven, wo sie Erstaunliches über das Leben dieser Geigerin
         entdeckt hat...

21.30 Ausklang des Tages, vielleicht mit Musik?



Dienstag 2. Oktober

08.00 Das Schiff legt in Mohács an

09.00 “Der Blaue Faden”. Auf der nicht immer blauen Donau ist der rote Faden, der durch
         unser Programm führt, grundsätzlich blau. Dieser Faden ist als kurze und leichtfüssige
         Einstimmung in den Tag gedacht, mal mit einigen Bemerkungen zum Tagesablauf, mal
         mit einer kurzen Lesung (Der Blaue Faden soll jeweils 10 bis maximal 15 Minuten
         dauern).

         Heute hören wir zunächst einen kurzen Bericht des langjährigen Ost-
         Europakorrespondenten Walter Müller (Radio SRF), dann gibt es eine kurze
         Einführung in die Bedeutung von Mohács, wo im Jahre 1526 eine schicksalträchtige
         Schlacht zwischen dem noch jungen Ungarn mit den Truppen des osmanischen Sultans
         stattgefunden hat. Der Sieg der Osmanen bestimmte in den darauffolgenden
 
        Jahrhunderten das Verhältnis zwischen Ost und West in Europa, zwischen Christentum
         und Islam.

09.30 Der “literarische Landgang” führt uns heute in die Gedenkstätte der Schlacht von
         Mohács. Dort wird Katharina Kilchenmann aus dem Text “Eine Violine für Mohács”
         von Claudio Magris lesen.

11.30 Anschliessend Zeit zur freien Verfügung in Mohács (So manch einer der Mitreisenden
         hatte gebeten, doch bitte genügend Zeit einzuräumen, um sich an Land bewegen zu
         können).

13.00 Mittagessen an Bord

14.00 Abfahrt in Mohács

15.30 Mittagslesung. Pit Klein liest aus “Mythos Donau”, einer Collage von Texten von
         Claudio Magris. Anschliessend trägt Helmut Vogel Hölderlins “Der Ister” vor.
         (Dauer der Lesung: rund 45 Minuten).

17.30 Lesung an Deck. Katharina Kilchenmann liest Auszüge aus dem Vor- und Nachwort
         “East Side Stories” von Katharina Raabe. Nach einem musikalischen Intermezzo trägt
         Graziella Rossi den Text “Ada-Kaleh” von Mircea Cartarescu vor. (Dauer dieser
         kombinierten Lesung: eine knappe Stunde).

19.00 Abendessen

20.30 Abendvorstellung. Eine der Kulturen, die in den Donauländern besonders ausgeprägt
         war, ist die des jüdischen Witzes, der jüdischen Anekdote und der jüdischen Literatur
         überhaupt. Pit Klein befasst sich mit der Jiddischkeit in den Ländern, die einmal zur
         ehemaligen Donaumonarchie gehört haben. Abwechselnd spielen Sira Eigenheim, Helga
         Váradi und Srdjan Vukasinoviç zum Thema passende Kompositionen.

21.30 Ausklang des Tages

Mittwoch 3. Oktober

Noch in der Nacht hat unser Literaturschiff in Novi Sad angelegt.

09.00 Der “Blaue Faden”: Zunächst liest Pit Klein jene Passage aus dem “Schwarzen Heer”
         von Nick Thorpe, die in Novi Sad spielt. Anschliessend folgt ein weiterer Kurzbeitrag
         des Radio-Korrespondenten Walter Müller über die im Jugoslawienkrieg zerstörten
         Brücken von Novi Sad.

09.30 Der “literarische Landgang” führt uns heute zu Fuss (oder mit dem Bus, wer es lieber
         bequem hat) über die Donaubrücke zur Burg Petrovaradin. Hier wendete sich das Blatt
         politisch & militärisch, als 1716 die K&K Truppen die Osmanen schlugen. Die
         eindrückliche Festungsanlage können wir auf eigene Faust besichtigen, wie auch das
         kleine aber interessante historische Museum.

11.00 Im Pavillon des Burg-Restaurants treffen wir die serbische Schriftstellerin und
         Literaturwissenschaftlerin Jelena Voliç. Im Gespräch geht sie ein auf die jüngere
         Geschichte Novi Sads, Serbiens und auf das Verhältnis zwischen Ost und West.

12.00 Mittagessen im Burg-Restaurant

13.30 Zu Fuss (20 Minuten) oder mit dem Bus kehren wir auf unser Schiff zurück.

14.00 Abfahrt in Novi Sad

15.00 Mittagslesung. Katharina von Schoenaich liest aus dem Band “Ich - ein anderer” des
         ungarischen Nobelpreisträgers Imre Kertész (Dauer: rund 30 Minuten).

19.00 Abendessen

20.30 Abendvorstellung. Helmut Vogel liest aus dem Buch “Der Heimatlose” die Erzählung
         “Die Schuld” von Danilo Kiš (Übersetzung aus dem Serbokroatischen von Ilma Rakusa).
         Anschliessend sehen wir den heiteren Kurzfilm “Subotica” von Peter Volkart (Dauer der
         Veranstaltung: rund 45 Minuten).

21.15 Ausklang des Tages in der Bar, im Theater, auf dem Deck...


Donnerstag 4. Oktober

06.00 Unser Schiff hat inzwischen das rumänische Orşova erreicht. Ab 06.30 gibt es Frühstück.

07.45 Der “Blaue Faden” beschränkt sich heute auf das Organisatorische unseres heutigen
         Landganges.

08.00 Busfahrt nach Port Cetate. Wir verlassen kurzfristig die Donau. Im Bus hören wir
         den von Katharina von Schoenaich gelesenen Essay des polnischen Journalisten Andrezj
         Stasiuk “Der Donau entkommt man nicht”.

09.45 Ankunft in Port Cetate. Die ehemalige Schifflände und Hafenanlage wurde vom Dichter
         Mircea Dinescu in ein Kulturzentrum umgewandelt. Mircea Dinescu war massgeblich
         beim Sturz des Diktators Ceaucescu beteiligt. Heute führt er neben Port Cetate in
         Bukarest ein Feinschmeckerrestaurant. In Port Cetate begrüssen wir den Schweizer
         Schriftsteller mit rumänischen Wurzeln Catalin Dorian Florescu.
         Mit seiner Hilfe werden wir einen Einblick in die rumänische Poesie und Literatur
         erhalten. Neben Dinescus Werk wird Catalin auch auf das literarische Schaffen von Ana
         Blandiana eingehen. Ferner befindet sich zur Zeit unseres Besuches der deutsche
         Schrifsteller Leonhard Hieroniyme als “Writer in Residence” in Port Cetate. (Zitat seiner
         Website: Leonhard Hieronymi ist Verfasser mehrerer unveröffentlichter Romane und Novellen
         hyperrealistischen und ultraromantischen Stils. Bekannt ist er vor allem für seinen 2007 entstandenen
         Dokumentarfilm “Doggie High”). Auch mit ihm wird ein Austausch möglich sein. Das
         genaue Programm unseres Besuches in Port Cetate wird später bekannt gegeben. Neben
         dem Literarischen und dem Poetischen kommen auch unsere Gaumen nicht zu kurz,
         zumindest das sei schon jetzt verraten...

14.30 Rückfahrt nach Orşova

16.30 Das Literaturschiff legt in Orşova ab und fährt durch das landschaftlich eindrucksvolle
         “Eiserne Tor”, den Durchbruch der Donau durch die Karpaten.

17.00 Bei gutem Wetter wird Helmut Vogel auf dem Sonnendeck aus dem “Versunkenen
         Paradies” von Mumir Turudiç lesen (Dauer: rund 10 Minuten).

19.00 Abendessen

20.30 Abendvorstellung. Katharina Kilchenmann moderiert ein Gespräch mit Catalin Dorian
         Florescu, abgewechselt von kurzen musikalischen Darbietungen unserer Musiker und
         Musikerinnen.

21.30 Ausklang des Tages bei Pianomusik


Freitag, 5. Oktober

06.30 Ankunft des Literaturschiffes in Belgrad. Das Schiff legt an der Sava, dem Nebenfluss
         der Donau an.

09.00 Der “Blaue Faden”. In einem weiteren Kurzbeitrag geht Walter Müller ein auf die
         gesellschaftlich und politisch immer noch sehr bestimmende Rolle der serbischorthodoxen
         Kirche.

09.30 Der heutige literarische Landgang beginnen wir zu Fuss. Unter Führung von Jelena Voliç
         gehen wird durch die Altstadt Belgrads (für die Gehbehinderten unter den Gästen wird
         es einen separaten Transport geben). Nach einem literarisch-kriminalistischen
         Intermezzo gibt es Kaffee im Hof des Philosophischen Institutes. Von dort geht es weiter
         in die Skandariya, dem Ausgangsviertel Belgrads, wo wir in einem traditionellenRestaurant die                   Journalistin Margrit Sprecher treffen. Graziella Rossi liest Margrit
         Sprechers Text “Miodrags Schweinchen” vor. Anschliessend kurze Fragerunde. Das
         üppige Mittagessen (“etwas Kleines” ist in der serbischen Küche nicht vorgesehen...)
         wird abgerundet von traditionellen Klängen eines Roma-Ensembles.

14.00 Wir nehmen Abschied vom gastfreundlichen Restaurant und gehen eine kurze Strecke bis
         zur Stelle, wo wir den Bus besteigen. In rund 15 Minuten erreichen wir das “Zentrum für
         kulturelle Dekontamination” – entstanden in der Zeit nach dem Zusammenbruch
         Jugoslawiens und als Gegenmassnahme der damals erneut um sich greifenden Zensur
         und Bevormundung im Kulturbetrieb. Bei gutem Wetter gibt es Kaffee im Innenhof.
         Danach bewegen wir uns in das Theater des Zentrums. Als Diskussionsinput liest
         Katharina von Schoenaich aus dem NZZ-Feuilleton “Wie Tito sich von Stalin
         verabschiedete” von Bora Ćosić. Dann liest Pit Klein einen kurzen Text von
         Amalia van Gent über den Schriftsteller, Visionär und Unabhängigkeitskämpfer Rigas
         Feraios. Dieser hatte die Vision eines einheitlichen Balkanstaates entwickelt. Unterwegs
         zu Napoleon Bonaparte wurde er verraten, von der Habsburger Polizei verhaftet und an
         die Osmanen ausgeliefert. Diese brachten ihn nach Belgrad, wo er gefoltert und
         exekutiert wurde. Seine Leiche und wohl auch die Vision eines einheitlichen Balkanstaates
         landeten in der Donau. In der Diskussion werden wir auf die jüngere Geschichte der
         Region sowie auf den bei uns so negativ belasteten Begriff “Balkan” eingehen und
         natürlich auf die Rolle der Literatur.

16.00 Nachdem wir uns, nunmehr kulturell dekontaminiert, von der engagierten Leitung des
         Zentrums verabschiedet haben, führt uns der Bus zum Donauufer. Wer will, kann den
         Nebojša-Turm ansehen, wo Rigas Feraios seine letzten Tage verbrachte. Ein kleines
         Museum erinnert an den grossen Visionär. Von hier gelangt man zu Fuss (15 Minuten)
         oder mit dem Bus zur Anlegestelle unseres Schiffes. Wer will, kann sich aber auch noch
         die Füsse im Kalegmedan vertreten, dem weitläufigen Park der Zitadelle von Belgrad,
         gleich oberhalb der Anlegestelle.

18.00 Unser Schiff verlässt Belgrad und nimmt Kurs auf Vukovar

19.00 Abendessen

20.30 Im Theater zeigen wir den Film “Days of the Gipsies” von Emir Kusturica

21.30 Ausklang des Tages bei Pianomusik



Samstag 6. Oktober

06.00 Unser Schiff legt in Vukovar an. Nach Ungarn, Serbien und Rumänien erreichen wir die
         vierte Nation unserer Reise durch sechs Länder: Kroatien.

09.00 Im “Blauen Faden” gehen wir heute ein auf die Kernfrage dieses Tages “wie lange
         braucht es, bis die Spuren eines Krieges erlöschen?”. Die kurze Einspielung von Walter
         Müller beschäftigt sich mit dieser Frage, mit der er während des Jusolawienkrieges und
         danach immer wieder konfrontiert wurde. Nach einem Rückblick auf die Eckpunkte des
         Jugoslawienkrieges beginnt der literarische Landgang.

09.30 Nach einer kurzen Besichtigung von Vukovar fahren wir nach Osijek, wo wir zu Fuss
         durch das Stadtzentrum gehen.

10.30 Wir treffen uns im schönen Hotel Waldinger zum Kaffee und zu einer Diskussion rund
         um die heutige Kernfrage. Pit Klein liest den Text des Journalisten Erich Rathfelder
         “Die Mühsal mit der Toleranz: Vukovar 20 Jahre danach”.

11.30 Fahrt zurück nach Vukovar

12.30 Unser Schiff legt ab und nimmt Kurs auf Kalocsa in Ungarn

13.00 Mittagessen

15.00 Mittagslesung. Katharina von Schoenaich liest einen Ausschnitt aus dem Buch von Ivo
         Andriç “Wesire und Konsuln” (Dauer der Lesung: rund 35 Minuten).

19.00 Abendessen

20.30 Zunächst liest Pit Klein den Ausschnitt aus der Autobiografie von Elias Canetti, in dem
         er seine Jugend an der Donau in Bulgarien beschreibt. Kurzes musikalisches
         Intermezzo. Anschliessend Szenische Lesung mit Graziella Rossi und Helmut Vogel:
         “Much love, Du Schuft!“ (Veza & Elias Canetti - Briefe an Georges. Dauer der
         Szenischen Lesung: rund 60 Minuten).

21.30 Ausklang des Tages mit Musik



Sonntag 7. Oktober

06.00 Ankunft unseres Schiffes in Kalocsa

09.00 Im “Blauen Faden” liest Katharina von Schoenaich den Abschnitt aus Thorpes
         “Die Donau - eine Reise gegen den Strom”, der das Paprikamuseum in Kalocsa, der
         Hauptstadt dieses berühmten Nachtschattengewächses beschreibt.

09.30 Beim “literarischen Landgang” besuchen wir zunächst das bereits angesprochene, kuriose
         “Paprika-Museum”. Danach besuchen wir die Kathedrale dieser kleinen Stadt, wo
         Helga Váradi auf der Orgel Werke von Béla Bártok und Franz Liszt spielt.
         Anschliessend gibt es eine kurze Besichtigung der Orgel.

12.30 Rückfahrt zur Anlegestelle

13.00 Abfahrt in Kalocsa sowie Mittagessen an Bord

15.00 Mittagslesung. Kenner und Kennerinnen der slawischen Literatur haben es uns
         nahegelegt: wer sich eingehender mit dieser Literatur beschäftigt, kann auf Franz Kafka
         nicht verzichten. Wir haben vier Kurztexten ausgewählt: “Zum Nachdenken für Herrenreiter” 
         (Graziella Rossi),  “Die Abweisung” (Katharina von Schoenaich). “Das nächste Dorf ” (Pit Klein) und
          “Der Fahrgast” (Helmut Vogel). Dazwischen spielt  Helga Váradi kurze Inprovisationen (Dauer der
         Lesung: rund 30 Minuten). 


19.00 Abendessen

20.30 Abendvorstellung. Graziella Rossi und Helmut Vogel führen ihre Produktion
         “Czernowitz” auf. Czernowitz liegt heute in der West-Ukraine unweit der rumänischen
         Grenze, war lange ein deutschsprachiges Kulturzentrum im Habsburger Reich. Eine
         grosse jiddischsprachige Minderheit prägte die Kultur. Im 19. Jahrhundert nannte man
         die Stadt ‚Klein-Wien’, ‚Babylon des südöstlichen Europas’, ‚Jerusalem am Pruth’,
         ‚Alexandrien Europas’. Paul Celan und Rose Ausländer gehören zu den prominentesten
         Exponenten dieser im Dritten Reich und anschliessend unter Stalin ausgerotteten Kultur
         (Dauer der Veranstaltung: rund 60 Minuten). Musikalisch wird die Aufführung von
         Srdjan Vukasinovic begleitet.

21.30 Ausklang des Tages bei Musik


Montag 8. Oktober

Noch in der Nacht legt unser Schiff in Esztergom an

09.00 Im “Blauen Faden” liest Pit Klein den Text: “Eine kaiserliche Büste hinter der
         Treppe” von Claudio Magris. Danach liest Katharina von Schoenaich “Abschied von der
         Heimat” von Balint Bálassi.

09.30 Unser “literarischer Landgang” führt uns zunächst in die Stadt Visegrád. Von der Burg
         hat man einen wunderbaren Blick auf das Donauknie - man spricht hier auch von der
         ungarischen Wachau. Hier liest Graziella Rossi den kurzen Text von Gertrud Fussenegger
         “Bruchlinien”. Dann liest Helmut Vogel den kurzen Text “Donauknie” von Dieter
         Maier. Anschliessend fahren wir nach Esztergom zurück, wo wir die Sankt Adalbert
         Kathedrale von aussen besichtigen (das imposante Bauwerk wird einer Restauration
         unterzogen). Danach Zeit zur freien Verfügung.

13.00 Mittagessen an Bord

15.00 Abfahrt in Esztergom

15.30 Mittagslesung. Zunächst liest Helmut Vogel “Fluss im Kopf” von Urs Widmer.
         Anschliessend liest Katharina von Schoenaich “Donau abwärts” von Peter Esterházy.
         Zwischendurch musikalisches Intermezzo (Dauer der Lesungen: rund 35 Minuten).

19.00 Abendessen

20.30 Abendvorstellung. Graziella Rossi und Helmut Vogel - wir sind ja längst auf dem Weg
         nach Wien! – stellen die berühmte Salonière & Journalistin Berta Zuckerkandl in einer
         szenisch-musikalischen Lesung vor.
        
         Wikipedia schreibt zu Berta Zuckerkandl:
         Berta Zuckerkandl führte in Wien vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1938 einen literarischen
         Salon. In diesem Salon verkehrte die künstlerische und wissenschaftliche Elite des Landes,
         darunter Johann Strauss (Sohn), Gustav Klimt, Arthur Schnitzler, Max Reinhardt und Franz
         Theodor Csokor. Alma Mahler-Werfel lernte hier 1901 Gustav Mahler kennen. Zu den von Berta
         Zuckerkandl protegierten Künstlern gehörten unter anderen Anton Kolig und Sebastian Isepp vom
         Nötscher Kreis. Besonders verbunden war sie mit der Secession und der Wiener Werkstätte, beide mit
         ihrem Zuspruch und ihrer publizistischen Unterstützung entstanden
         (Dauer der Aufführung: ca. eine Stunde).

21.30 Ausklang des Tages bei Musik


Dienstag 9. Oktober

Noch in der Nacht hat unser Schiff in der slowakischen Hauptstadt Bratislava angelegt.

09.00 In diesem “Blauen Faden" werden wir eine kurze Übersicht aus dem Schaffen von Ilija
         Trojanov präsentieren. Der in Bulgarien geborene und heute in Wien lebende Trojanov
         hat ein sehr breitgefächertes Werk. Unser besonderes Augenmerk: “Der Weltensammler”,
         der in der Schiffsbibliothek auch als Hörfassung abgespielt werden kann.

09.30 Zu Fuss geht es in das Stadtzentrum von Bratislava. An einem noch zu bestimmenden
         Ort treffen wir Ilija Trojanov. Bei Kaffee und Tee sprechen wir ausführlich über Themen
         wie Heimat, Gerechtigkeit, Flucht, Grenzen, mit anderen Worten über all jene Themen,
         die uns in den letzten neun Tagen immer wieder beschäftigt haben.

12.00 Rückkehr zum Schiff

12.30 Abfahrt Bratislava. Nach einer halben Stunde passieren wir die Stelle, wo bis 1991 der
         Eiserne Vorhang gezogen war. An Deck gibt es dazu einen kurzen Kommentar.

13.00 Mittagessen

16.00 Mittagslesung (noch offen)

17.30 An Deck liest Helmut Vogel einen Text von Joseph Fuchs über den “Friedhof der
         Namenlosen”. Dieser morbid-bizarre Ort befindet sich gleich hinter dem Donaudeich
         im Industriegürtel zwischen Containerhafen und Mehlfabrik. Hier wurden die Leichen
         bestattet, die von der Donau angeschwemmt wurden aber nicht identifiziert werden
         konnten. Die Familie Fuchs führt den Friedhof seit drei Generationen.

18.30 Ankunft Wien

19.00 Abendessen

20.30 Wir begrüssen den Schweizer Cellisten Christian Poltéra, den in Wien lebenden
         Schriftsteller Wolf Wondratschek sowie das 300 Jahre alte ‚Mara’, ein Cello aus der
         Werkstatt von Antonio Stradivarius. Maras atemberaubender Lebenslauf mitsamt Sturz
         in der Rio de la Plata, wird von Wolf Wondratschek nacherzählt. Dazu spielt Christian
         Poltéra - auf dem Mara.

21.30 Ausklang des Tages

Mittwoch, 10. Oktober

09.00 Abschied. Anstelle des “Blauen Fadens” verabschieden sich die Protagonistinnen und
         Protagonisten mit einem ultrakurzen Beitrag. Auch die Gäste werden aufgefordert, wenn
         sie möchten, das in den letzten zehn Tagen Gehörte, Gelesene und Erlebte in einem Satz,
         in einer Anekdote oder in einem dokumentierten Geistesblitz zu konzentrieren...

10.00 Ausschiffung, Fahrt zum Flughafen Wien

13.00 Abflug Wien

14.20 Ankunft Zürich


Die Route des Literaturschiffes:

Budapest, Mohács, Novi Sad, Orşova (Eisernes Tor), Port Cetate (mit Bus),

Belgrad, Vukovar, Kalocsa, Esztergom & Visegrád, Bratislava, Wien